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    <title>Die Kultur Welle von Underground (Rubrik:Sexuelle Selbstbestimmung)</title>
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    <description></description>
    <dc:publisher>resistance in underground</dc:publisher>
    <dc:creator>resistance in underground</dc:creator>
    <dc:date>2005-04-13T15:37:49Z</dc:date>
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    <title>Die Kultur Welle von Underground</title>
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  <item rdf:about="http://Wave.twoday.net/stories/531806/">
    <title>Sexuelle Selbstbestimmung als Widerstand</title> 
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    <description>Der erste erotische Roman einer muslimischen Autorin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die Mandel&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Poetischer Widerstand einer Muslimin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img width=&quot;170&quot; height=&quot;279&quot; title=&quot;&quot; src=&quot;http://twoday.net/static/Wave/images/mandel.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gedem&amp;uuml;tigt und verletzt bricht die junge Badra aus ihrer arrangierten Ehe aus. In Tanger st&amp;uuml;rzt sie sich in eine leidenschaftliche Aff&amp;auml;re. Unter Pseudonym schreibt dies eine muslimische Autorin - erstmals, weil es in islamischen L&amp;auml;ndern verboten ist, erotische Romane zu schreiben und vor allem zu ver&amp;ouml;ffentlichen. &lt;br /&gt;
&quot;Die Mandel&quot; ist ein autobiografischer Roman, der zugleich als &quot;poetischer Widerstand&quot; gegen eine islamistisch dominierte Gesellschaft gelesen werden kann. &lt;br /&gt;
Was Leidenschaft ist Marokko. Irgendwo in einem Dorf zwischen W&amp;uuml;ste und Meer, Ende der 70er Jahre. Die junge Muslima Badra ist aus dem Martyrium ihrer Zwangsehe abgehauen und flieht, von ihrer Familie versto&amp;szlig;en, nach Tanger. Tanger, die Stadt der Huren und der Heilsuchenden, Hafenstadt und Tor nach Europa. Dort findet sie Schutz bei ihrer Tante. &lt;br /&gt;
Badra droht der Tod, aber anstatt sich zu verstecken, will sie wissen, was Liebe - und vor allem: was Leidenschaft ist. Sie beginnt eine Aff&amp;auml;re mit einem reichen, gebildeten Marokkaner, der sie in die Liebe und ihre K&amp;uuml;nste einf&amp;uuml;hrt, der ihr alles zeigt, wozu ihr K&amp;ouml;rper in der Lage ist; der sie f&amp;uuml;hlen l&amp;auml;sst, was Begehren hei&amp;szlig;t, der ihr alles gibt und alles nimmt. Eine amour fou. &lt;br /&gt;
Wie ein Regen:im Roman klingt das so: &quot;Er verstand es, mich zu &amp;ouml;ffnen, mich zu nehmen, mich bis zum ersticken auszudehnen, meine Lungen und jede Faser meines Leibes zu f&amp;uuml;llen. Sein Sperma schoss in langen Strahlen hervor, rann wie Regen &amp;uuml;ber meine empfindlichen Schleimh&amp;auml;ute und wusch meinen Scho&amp;szlig; vom Brand rein.&quot;&lt;br /&gt;
Oder auch: &quot;Einen Tag fand er mich zu dick f&amp;uuml;r seinen Geschmack, am n&amp;auml;chsten Tag zu mager. Manchmal streikte er und weigerte sich drei Wochen lang, mich anzur&amp;uuml;hren, warf mir mein Begehren vor. Dann pl&amp;ouml;tzlich, wenn ich schon zweifelte, jemals wieder seinen K&amp;ouml;rper sehen und seine Haut ber&amp;uuml;hren zu d&amp;uuml;rfen, riss er mich wie ein Tornado um, rammte sein Schwert in mich hinein, nahm mich auf dem Boden, gegen die Wand gedr&amp;uuml;ckt, br&amp;uuml;llte seine Lust heraus und bat mich, ihm Schweinereien ins Ohr zu fl&amp;uuml;stern.&quot; &lt;br /&gt;
Selbstbestimmte Sexualit&amp;auml;t&lt;br /&gt;
Ein Skandal, denn zum ersten Mal hat es eine muslimische Frau gewagt, derartiges in einen Roman zu schreiben. Es ist eine Hymne auf die selbstbestimmte Sexualit&amp;auml;t der Frau, ein Eloge auf die Wonnen des K&amp;ouml;rpers. &lt;br /&gt;
&quot;Nedjma&quot; ist das Pseudonym einer Autorin, die anonym bleibt und nun allein schon wegen der offenen Erotik des Buches um ihre Leben f&amp;uuml;rchten muss. Aber das Buch ist weit mehr: es ist eine Protesterkl&amp;auml;rung wider den engen Geist der arabischen Welt.&lt;br /&gt;
Bedingungslose Hingabe:&lt;br /&gt;
Nedjma sagt das so: &quot;Das Buch ist eine Reaktion, es ist eine Wut, die sich in diesem Buch ausdr&amp;uuml;ckt, die Wut, die nach dem 11. September entstanden ist, weil der 11. September ein Auflodern ist, eine totale Konfrontation zweier Fundamentalismen, des muslimischen und des amerikanischen Fundamentalismus. (...) Gegen&amp;uuml;ber diesen beiden Skandalen, dem Fundamentalismus und US-Hochmut und Blindheit, habe ich entschieden, selber skandal&amp;ouml;s zu sein und ein Buch &amp;uuml;ber den K&amp;ouml;rper zu schreiben.&quot;&lt;br /&gt;
Sexuelle Selbstbestimmung als Widerstand gegen eine Gesellschaft, die von Verboten und der Verh&amp;uuml;llung des K&amp;ouml;rpers gepr&amp;auml;gt ist. Nedjma schildert offen ihre bedingungslose Hingabe an den Geliebten. Als diese Symbiose bricht, hat sie &quot;nur noch&quot; Sex mit unz&amp;auml;hligen Liebhabern. In der islamischen Welt ist das nicht nur Tabubruch, das ist ein Verbrechen. &lt;br /&gt;
Postkoitale Z&amp;auml;rtlichkeit:&lt;br /&gt;
Sie schreibt: &quot;Die M&amp;auml;nner reden, und ich massiere meine Schl&amp;auml;fen. Ich warte, bis sie ihren Wortvorrat ersch&amp;ouml;pft haben und in mich eindringen, lange, langsam, schweigend. Sobald meine Vagina aufh&amp;ouml;rt, vor Lust ihren Saft zu vergie&amp;szlig;en, wende ich demjenigen, der mir soeben Orgasmen beschert hat, den R&amp;uuml;cken zu. Mein Unterleib kennt keine Dankbarkeit. Die postkoitale Z&amp;auml;rtlichkeit l&amp;auml;sst mich ebenso kalt wie die postkoitale Tristesse. Meine Liebhaber d&amp;uuml;rfen nur schweigen, schlafen oder gehen.&quot; &lt;br /&gt;
Das Tabu als Instrument der Machtaus&amp;uuml;bung: Sexualit&amp;auml;t, wie sie die Autorin einfordert, bedeutet in der real existierenden Welt des Islam zugleich individuelle Freiheit. Und eben davor haben Mullahs Angst. &lt;br /&gt;
Das Tabu der Sexualit&amp;auml;t:&lt;br /&gt;
Nedjma: &quot;Es f&amp;auml;llt unter die Strafe des Gesetzes, &amp;uuml;ber Sexualit&amp;auml;t zu schreiben. Es gibt keine erotischen B&amp;uuml;cher. Weder M&amp;auml;nner noch Frauen k&amp;ouml;nnen das schreiben. Das mag es vielleicht in den Schubladen geben, aber es darf nicht ver&amp;ouml;ffentlicht werden. Das ist verboten. (...) die drei Tabus, die auf uns lasten und bewirken, dass die arabische Welt heute ein einziges Desaster ist, sind das Tabu der Sexualit&amp;auml;t, das Tabu der Religion und das Tabu der Politik.&quot;&lt;br /&gt;
Individuelle Freiheit ist nach Nedjmas Erfahrung unvereinbar mit der muslimischen Welt: &quot;Das hie&amp;szlig;e, &quot;ich&quot; zu sagen. Das &quot;Ich&quot; existiert nicht in der arabischen Welt. Das individuelle Ergreifen des Wortes gibt es nicht. Wir sind immer ertrunken in der Blase der Gl&amp;auml;ubigen, der Gemeinschaft der Muslime, der arabischen Nation und der Nation im Kleinen.&quot; &lt;br /&gt;
&lt;img width=&quot;119&quot; height=&quot;180&quot; title=&quot;&quot; src=&quot;http://twoday.net/static/Wave/images/almond.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt; &lt;br /&gt;
Gefangen im Kollektiv:&lt;br /&gt;
Unm&amp;uuml;ndig, gefangen im Kollektiv einer islamistisch dominierten Glaubensgemeinschaft. Der Schleier dient zur Verschleierung des K&amp;ouml;rpers. Er wird ins Kollektiv gezwungen. &amp;Ouml;ffentliche Kritik von Frauen erf&amp;auml;hrt der Islam selten, um so mehr hat Nedjma Mut bewiesen. Aber sie ist keine Ungl&amp;auml;ubige, auch wenn sie mit ihrem Buch gewiss als solche verfolgt w&amp;uuml;rde. &lt;br /&gt;
Nedjma: &quot;Der Islamismus ist Betrug. Islamismus ist nicht Islam, und den Schleier zu tragen, l&amp;ouml;st nicht das Problem. Unser Problem ist nicht, einen Schleier zu tragen oder nicht, unser Problem ist heute, ob wir in der Lage sind, eine offene und universelle Lesart des Islam zu etablieren. Den Schleier zu tragen, bedeutet f&amp;uuml;r mich die erste Botschaft des Islam zu verraten, n&amp;auml;mlich die der Freiheit. Der Islamismus ist Gottesl&amp;auml;sterei.&quot;&lt;br /&gt;
So politisch, so k&amp;auml;mpferisch kann erotische Literatur sein. F&amp;uuml;r uns mag es nur ein weiterer Roman in der Reihe von Frauen geschriebener Pornografie sein. Trotzdem: M&amp;ouml;ge das Buch in Tanger und Teheran von vielen M&amp;auml;nner und Frauen gelesen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschliessend Leseprobe: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Prolog &lt;br /&gt;
Dieser Bericht ist vor allem eine Geschichte der Seele und des Fleisches. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer schonungslosen, manchmal grausamen Liebe, die sich um keine Moral schert, au&amp;szlig;er um die des Herzens. Mit diesen Zeilen, in denen sich Sperma und Gebet vermischen, habe ich versucht, die Mauern niederzurei&amp;szlig;en, die heute das Himmlische vom Irdischen, den K&amp;ouml;rper von der Seele, das Mystische von der Erotik trennen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur die Literatur hat die Macht einer &amp;raquo;t&amp;ouml;dlichen Waffe&amp;laquo;. Also habe ich mich ihrer bedient. Ohne Scham und innerlich triumphierend. Getrieben von dem Ehrgeiz, meinen Blutsschwestern die von ihren V&amp;auml;tern, Br&amp;uuml;dern und Ehem&amp;auml;nnern konfiszierte Sprache zur&amp;uuml;ckzugeben. Als Huldigung an die alte Kultur der Araber, in der das sinnliche Verlangen sogar in der Architektur Ausdruck fand, die Liebe von der S&amp;uuml;nde befreit und Lust zu empfinden und zu bereiten eine Pflicht des Gl&amp;auml;ubigen war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erhebe diese Worte &amp;iquest; wie man ein Glas erhebt &amp;iquest; auf das Wohl der arabischen Frauen. M&amp;ouml;ge es ihnen gelingen, die ihnen geraubte Sprache des K&amp;ouml;rpers wiederzufinden und so zugleich ihre M&amp;auml;nner zu heilen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich, Badra bent Salah ben Hassan el-Fergani, in Imchouk im Zeichen des Skorpions geboren, Schuhgr&amp;ouml;&amp;szlig;e achtunddrei&amp;szlig;ig und bald f&amp;uuml;nfzig Jahre auf dem Buckel, erkl&amp;auml;re Folgendes: Es ist mir v&amp;ouml;llig gleichg&amp;uuml;ltig, dass die schwarzen Frauen saftige Geschlechter haben und ganz und gar gef&amp;uuml;gig sind; dass die Babylonierinnen die begehrenswertesten und die Damaszenerinnen die z&amp;auml;rtlichsten und die Araberinnen und Perserinnen die fruchtbarsten und die treusten Frauen sind; dass die Nubierinnen die rundesten Hinterteile, die weichste Haut und ein Verlangen haben, das wie Feuerzungen brennt; dass die T&amp;uuml;rkinnen die gef&amp;uuml;hlloseste Geb&amp;auml;rmutter, das giftigste Temperament, das rachs&amp;uuml;chtigste Herz und die klarste Intelligenz besitzen; dass die &amp;Auml;gypterinnen &amp;uuml;ber eine schmeichelhafte Sprache, einen angenehmen Charakter und eine kaprizi&amp;ouml;se Art von Treue verf&amp;uuml;gen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erkl&amp;auml;re hiermit, dass ich auf die Schafe wie auf die Fische pfeife, auf die Araber wie auf die Europ&amp;auml;er, aufs Morgen- wie aufs Abendland, auf Karthago wie auf Rom, auf Henchir Tlemsani wie auf die G&amp;auml;rten von Babylon, auf Galil&amp;auml;a wie auf Ibn Battouta, auf Nagib Machfus wie auf Albert Camus, auf Jerusalem wie auf Sodom, auf Kairo wie auf Sankt Petersburg; auf Johannes wie auf Judas, auf die Jungfrauen wie auf die Huren, auf die Schizophrenen wie auf die Paranoiden, auf Ismahan wie auf Abdelwahab, auf das Wadi Harrath wie auf den Pazifik, auf Apollinaire wie auf Moutannabi, auf Nostradamus wie auf Diop, den Marabut. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich, Badra, verk&amp;uuml;nde, mir nur einer Sache sicher zu sein: Dass ich das sch&amp;ouml;nste Geschlecht der Welt habe; es hat die sch&amp;ouml;nste Form von allen; es ist prall, hei&amp;szlig;, feucht, duftend und singt wie kein anderes; und es ist un&amp;uuml;bertrefflich in seinem Verlangen nach harpunengleich sich reckenden Schw&amp;auml;nzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann ich sagen, jetzt, da Driss tot ist und ich ihn unter den Oleanderb&amp;uuml;schen in Imchouk, dem Dorf der Ungl&amp;auml;ubigen, begraben habe.&quot;</description>
    <dc:creator>resistance in underground</dc:creator>
    <dc:subject>Sexuelle Selbstbestimmung</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2005 resistance in underground</dc:rights>
    <dc:date>2005-02-20T15:19:10Z</dc:date>
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